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Denkmal Foto: Spd Fraktion greifswald

4. April 2022: Digitales Gedenkbuch für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung

„Grabe, wo du stehst“ war eine alte Regel der Heimathistoriker.
Historische Epochen und Katastrophen lassen sich besser
veranschaulichen, wenn man sie sich in der vertrauten Umgebung
vorstellt.

Das ist eines der Anliegen, die die SPD-Fraktion in der Greifswalder Bürgerschaft mit ihrem Antrag verfolgt, ein digitales Gedenkbuch für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung aufzulegen. Das andere ist, ein ehrenvolles Gedenken für jene sicherzustellen, die die Diktatur aus der Geschichte auslöschen wollte. Ein digitales Gedenkbuch für Greifswald hat den Vorteil, dass es für jeden leicht erreichbar ist. Es kann für den Schulunterricht verbindlich gemacht werden, man kann kurzfristig darauf zugreifen. Wissen ausverschiedenen Quellen kann hier versammelt werden, durch Links zu anderen Websites lassen sich leicht weitere Anregungen finden. Während eine Broschüre entweder irgendwann vergriffen oder veraltet ist, lässt sich das digitale Gedenkbuch leicht aktualisieren und um neue Forschungsergebnisse ergänzen. Mit solchen Forschungsergebnissen ist zu rechnen. Warum eine eigene Domain? Das gebietet der Respekt. Man stellt auch ein Denkmal nicht auf einen Hinterhof, es sei denn, wir haben es mit einem Original-Schauplatz zu tun. Das ist in gewisser Hinsicht das Problem der Gedenktafel für die Greifswalder jüdische Gemeinde, die an der Rückseite des Gebäudes Markt 13 angebracht ist – sie erinnert an einen Betsaal, den die Greifswalder jüdische Gemeinde unterhalten hat, die schon vor der nationalsozialistischen Machtergreifung geschrumpft war. Diese Tafel könnte jetzt bekannter werden. Dass die NS-Verbrechen mitten unter uns geschehen sind, merken wir auch an den Stolpersteinen. Wer sie aufsucht, erläuft sich einevergangene Welt, in der die hier Erinnerten Teil der Einwohnerschaft von Greifswald gewesen sind. Hier ist auf jeden Fall Kooperation gefragt, wie wir sie ja auch seit über 20 Jahren am Gedenktag 27. Januar pflegen. Ebenso gibt es schon den digitalen Stadtrundgang „Jüdisches Leben in Greifswald“. Auch alle anderen in Greifswald schon bestehenden Initiativen, die ja nicht geringgeschätzt werden sollen, können ins digitale Gedenkbuch eingebunden werden. Es kommt uns auch darauf an, allen Gruppen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, gerecht zu werden – es sind leider sehr viele und man kann immer noch Neues entdecken. Was aber nicht geht, ist, die Gedenkfunktion an die Universitätauszulagern. Die Universitäts- und Hansestadt muss sich selbst zu ihren verfolgten Mitbürgern bekennen.


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